Das Netzwerk Kinder von Inhaftierten wächst weiter: Neue Landeskoordinierungsstellen in Bremen und Sachsen

Das Netzwerk Kinder von Inhaftierten (KvI) wächst weiter und freut sich über Zuwachs aus zwei weiteren Bundesländern: Neben Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen gibt es nun auch eine Landeskoordinierungsstelle in Bremen sowie die Koordinierungs- und Beratungsstelle Z.E.B.R.A. in Sachsen. Damit stärkt unser Netzwerk bundesweit die Unterstützung für Kinder, deren Eltern in Haft sind, und macht ihre Rechte sichtbarer.

Auch in Baden-Württemberg haben sich Akteur*innen in einer Konzept-AG zusammengeschlossen, um den Aufbau entsprechender Strukturen voranzubringen und die Unterstützung für Kinder von Inhaftierten weiter zu verbessern.

Kinder von Inhaftierten

Mit der Inhaftierung eines Elternteils verändert sich der Familienalltag grundlegend: Kinder und Angehörige erleben oft Traurigkeit, Angst, Wut oder Scham und wissen häufig nicht, wie sie über ihre Situation sprechen oder wo sie Hilfe finden können. Kinder von inhaftierten Eltern stehen dabei häufig unter erheblichem seelischem Druck. Studien zeigen, dass viele betroffene Kinder langfristige psychische Belastungen entwickeln. Ursachen dafür sind u.a. die plötzliche Trennung vom Elternteil, Unsicherheit, Loyalitätskonflikte sowie die gesellschaftliche Tabuisierung von Inhaftierung.

Neben den psychischen Belastungen sind auch ökonomische und strukturelle Folgen erheblich. Der Wegfall eines Haushaltseinkommens erhöht das Armutsrisiko und die nicht inhaftierten Elternteile, häufig die Mütter, müssen sich plötzlich mit Behördengängen, Anträgen sowie existenziellen Unsicherheiten rund um Wohnraum, Lebenshaltung, Kinderbetreuung und Gesundheitsversorgung auseinandersetzen. Dies erhöht die Risiken sozialer Isolation und langfristiger Benachteiligungen für die Entwicklung der Kinder.

Auch Fachkräfte in Jugendämtern, Schulen, Kitas, Beratungsstellen oder im Justizvollzug begegnen regelmäßig diesen Kindern. Häufig fehlt es jedoch an spezifischem Wissen oder passenden Handlungsstrategien. Die neuen Landeskoordinierungsstellen in Bremen und Sachsen setzen hier gezielt in ihren Bundesländern an.

Koordinierungs- und Beratungsstelle Z.E.B.R.A. in Sachsen

Z.E.B.R.A. ist die zentrale Koordinierungs- und Beratungsstelle für Kinder inhaftierter Eltern, ihre Familien und Fachkräfte im Freistaat Sachsen. Sie ist beim Verein für soziale Rechtspflege Dresden e.V. angesiedelt und hat ihre Arbeit zum 1. Januar 2026 aufgenommen. Ziel ist es, Kinder zu stärken, Familien zu entlasten und Fachkräfte zu unterstützen.

Die Mitarbeitenden beraten Familien, geben Informationen zu Haft und Besuchen, unterstützen bei emotionalen Belastungen und vermitteln bei Bedarf an passende Angebote. Fachkräfte erhalten fachliche Beratung, Fortbildungen, Materialien und Vernetzungsmöglichkeiten. Träger und Einrichtungen werden beim Aufbau neuer Angebote oder der Weiterentwicklung bestehender Projekte begleitet und in die landesweite Netzwerkarbeit eingebunden. Auf diese Weise werden in Sachsen Kinder und Familien langfristig gestärkt und Fachkräfte können ihre Arbeit sicher und kompetent gestalten.

Die Landeskoordinierungsstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bremen

Am 1. März 2026 hat der freie Träger Hoppenbank e.V. in Kooperation mit der Bremer Senatorin für Justiz und Verfassung, der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration sowie dem bundesweit tätigen Netzwerk Kinder von Inhaftierten eine landesweite Koordinierungsstelle gestartet. Sie unterstützt Kinder inhaftierter Eltern und ihre Familien, macht belastende Lebenslagen sichtbar und fördert familiengerechte Vollzugsgestaltung auf Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention.

Die Landeskoordinierungsstelle soll eine erste Anlaufstelle für betroffene Familien in Bremen werden. Zudem vernetzt sie Akteur*innen aus Justiz, Jugendhilfe, Schulen, Kitas und freien Trägern und vermittelt Zugang zu Hilfsangeboten. Kindgerechte Kontaktmöglichkeiten im Strafvollzug werden ausgebaut, etwa durch zusätzliche Familiennachmittage und die Erweiterung des Angebots an Vätergruppen, und neue Projekte außerhalb der JVA, wie Freizeitangebote oder Ausflüge, gefördert. Schulungen, Fachtage und Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren Fachkräfte und die Gesellschaft für die Situation der Kinder. So entsteht in Bremen ein stabiles Netzwerk, das bedarfsgerechte Angebote entwickelt, Familien entlastet und Kinder nachhaltig stärkt.

Neue Landeskoordinierungsstellen stärken Familien und Fachkräfte

Die neuen Landeskoordinierungsstellen in Sachsen und Bremen sind ein wichtiger Schritt, um noch mehr Kinder inhaftierter Eltern und ihre Familien zu unterstützen, Fachkräfte zu vernetzen und nachhaltige, familiengerechte Angebote im Strafvollzug zu fördern. Damit können Betroffene und Fachkräfte inzwischen in acht Bundesländern eine direkte Anlaufstelle für Beratung, Information und Vernetzung erreichen. Gemeinsam mit den Partner*innen vor Ort tragen die Landeskoordinierungsstellen dazu bei, die Rechte und das Wohl der Kinder sichtbar zu machen und ihnen langfristig Halt und Perspektiven zu bieten.

Zu den Landesfach- bzw. Landeskoordinierungsstellen: