Zwischen Haft und Alltag: Warum Kinder von Inhaftierten stärker in den Fokus rücken müssen
Bundesweiter Fachtag in Berlin setzt Zeichen für mehr Sichtbarkeit, Kinderrechte und verlässliche Unterstützungsstrukturen
Rund 100.000 Kinder in Deutschland sind Schätzungen zufolge von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen und bleiben dennoch häufig unsichtbar. Die Bundesinitiative Netzwerk Kinder von Inhaftierten (KvI) macht sich dafür stark, dass von Inhaftierung betroffene Kinder überall in Deutschland gleiche Kontaktmöglichkeiten und Unterstützungsangebote bekommen – unabhängig von ihrem Wohnort.
Vor diesem Hintergrund kamen am 7. Mai 2026 in Berlin Fachkräfte aus 13 Bundesländern zum Fachtag „Zwischen Mauern und Alltag – Austausch, Inspiration und Best Practice zu Familienangeboten in Haft und im Sozialraum“ zusammen, um sich zu vernetzen, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und voneinander zu lernen.
„Kinder von Inhaftierten sind keine Randgruppe, sie sind Teil unserer Gesellschaft. Ihre Situation macht deutlich, wo strukturelle Lücken bestehen, die Bund und Länder gemeinsam schließen müssen“, sagt Hilde Kugler, Leitung der Bundesinitiative Netzwerk KvI. „Umso mehr freuen wir uns, dass die Kinderchancen-Koordinatorin der Bundesregierung, Mareike Wulf, den Bundesfachtag eröffnet und damit ein wichtiges Zeichen für die Sichtbarkeit dieser Kinder gesetzt hat.“
Auch Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und Kinderchancen-Koordinatorin der Bundesregierung, betonte die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den betroffenen Kindern:
„Kinder verdienen Unterstützung, Teilhabe und faire Chancen – unabhängig von ihrer familiären Situation. Deshalb ist es wichtig, auch Kinder von Inhaftierten stärker in den Blick zu nehmen und bestehende Hilfsangebote weiter auszubauen. Viele dieser Kinder erleben Trennung, Unsicherheit und Stigmatisierung, ihre Lebensrealität braucht mehr Sichtbarkeit und gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Gleichzeitig bietet eine engere Vernetzung zwischen Justiz, Jugendhilfe und den verschiedenen staatlichen Ebenen die Chance, nachhaltige und tragfähige Strukturen zu schaffen. Umso wichtiger ist es, bestehende Initiativen zu stärken und das Thema weiter zu enttabuisieren.“
Kinder von Inhaftierten – Wir zeigen Wirkung
Anlässlich des Fachtags veröffentlichte das Netzwerk KvI die Broschüre „Kinder von Inhaftierten – Wir zeigen Wirkung“. Sie zeigt anhand von Daten und Praxiserfahrungen aus sechs Bundesländern, wie Unterstützungsangebote wirken und wo weiterhin Handlungsbedarf besteht.
Seit 2022 setzt die Bundesinitiative mit Unterstützung der Auridis Stiftung ein Strukturentwicklungsprojekt um, das darauf abzielt, die Situation betroffener Kinder sowohl im Justizvollzug als auch im Sozialraum nachhaltig zu verbessern.

