Am 7. Mai 2026 fand die bundesweite Fachtagung „Zwischen Mauern und Alltag – Austausch, Inspiration und Best Practice zu Familienangeboten in Haft und im Sozialraum“ der Bundesinitiative Netzwerk Kinder von Inhaftierten statt. Rund 50 Fachkräfte, Praktiker*innen und künftige Akteur*innen aus 13 Bundesländern kamen in Berlin zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Impulse für die Unterstützung von Kindern Inhaftierter und deren Familien zu entwickeln. Im Mittelpunkt des Fachtags standen der bundesweite Austausch und die Vernetzung. In interaktiven Formaten wurden bestehende Praxisansätze vorgestellt, Herausforderungen diskutiert und gemeinsam Perspektiven für eine nachhaltige Unterstützung erarbeitet. Ergänzt wurde das Programm durch zwei Fachvorträge, die zusätzliche Impulse setzten.

 

Begrüßung: Miteinander und voneinander lernen

Zum Auftakt des Fachtags begrüßten Hilde Kugler, Leitung und Initiatorin der Bundesinitiative Netzwerk Kinder von Inhaftierten, sowie Ben Spöler von der Auridis Stiftung die Teilnehmenden aus allen Bundesländern. Unter dem Motto „miteinander und voneinander lernen“ rückte bereits in der Eröffnung die Bedeutung eines bundesweiten fachlichen Austauschs in den Mittelpunkt. Hilde Kugler betonte, wie wichtig der konkrete Dialog über Unterstützungsangebote „drinnen und draußen“ sowohl für erfahrene Anbieter als auch für interessierte Fachkräfte und Verantwortliche sei. Zugleich verwies sie auf die Notwendigkeit, Unterstützungsstrukturen für Kinder von Inhaftierten bundesweit stärker anzugleichen: „Damit aber auch künftig bundesweit kein Kind mehr alleine bleiben muss, gilt es, einen Gleichklang der Unterstützungsangebote in allen Bundesländern zu finden.“ Auch die Jugend- und Familienministerkonferenz habe die Bedeutung eines länder- und ressortübergreifenden Austauschs hervorgehoben, um den Zugang betroffener Kinder und Jugendlicher zu Leistungen des SGB VIII weiter zu verbessern. Die Bundesinitiative Netzwerk KvI habe sich diesem Ziel verschrieben und mache mit ihrer ersten Monitoringbroschüre bereits sichtbare Fortschritte in sechs Bundesländern deutlich.

Grußwort der Kinderchancen-Koordinatorin Mareike Wulf

Im Anschluss an die Begrüßung richtete Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im BMBFSFJ und Kinderchancen-Koordinatorin der Bundesregierung, ein Grußwort an die Teilnehmenden. Dabei betonte sie die besondere Bedeutung, Kinder von Inhaftierten stärker sichtbar zu machen und ihre Rechte auf Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe konsequent mitzudenken. Sie würdigte ausdrücklich das Engagement des Netzwerk Kinder von Inhaftierten und hob hervor, wie wichtig der Ausbau nachhaltiger Unterstützungsstrukturen für betroffene Kinder und Familien sei. Eine zentrale Herausforderung liege darin, die Systeme Justiz sowie Kinder- und Jugendhilfe besser aufeinander abzustimmen und dabei konsequent die Perspektive der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Mareike Wulf unterstrich zudem ihre Bereitschaft, bestehende Kooperationen weiter auszubauen, und sicherte dem Netzwerk Unterstützung auf Bundesebene zu. Es dürfe nicht vom Wohnort abhängen, welche Hilfen ein betroffenes Kind erhalte. Kinder von Inhaftierten bräuchten verlässliche Unterstützung, faire Chancen und gesellschaftliche Aufmerksamkeit – unabhängig von ihrer familiären Situation. Gerade deshalb sei es notwendig, das Thema weiter zu enttabuisieren und die Zusammenarbeit zwischen Justiz, Jugendhilfe und politischen Ebenen nachhaltig zu stärken.

Kindesrecht und Kindeswohl zusammendenken

In ihrem Vortrag „Kindesrecht und Kindeswohl zusammendenken“ stellte Claudia Kittel von der Monitoringstelle UN-Kinderrechtskonvention am Deutsches Institut für Menschenrechte die kinderrechtliche Perspektive auf die Situation von Kindern Inhaftierter in den Mittelpunkt. Sie erläuterte die Schutzfunktion der UN-Kinderrechtskonvention und betonte insbesondere die Bedeutung der Artikel 3 und 12 – den Vorrang des Kindeswohls sowie die Berücksichtigung des Kindeswillens. Die Kinderrechtskonvention gelte uneingeschränkt, auch im Kontext von Inhaftierung und Strafvollzug. Zudem stellte Claudia Kittel die Monitoring-Arbeit des DIMR vor, das seit 2016 die Situation von Kindern Inhaftierter beobachtet, analysiert und daraus Empfehlungen für Politik und Praxis ableitet. Dabei sei insbesondere die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zentral. Mit Verweis auf die COPING-Studie machte sie deutlich, wie wichtig der Kontakt zum inhaftierten Elternteil für betroffene Kinder ist. Abschließend verwies sie darauf, dass Deutschland sich beim nächsten UN-Ausschuss zum Thema „Kinder von Inhaftierten“ positionieren müsse.

Bindung als Fundament für schwierige Lebenslagen

Mit seinem Fachvortrag „Sichere Bindung als Fundament“ richtete Michél Murawa den Blick auf das kindliche Erleben sowie die Bedürfnisse von Kindern inhaftierter Eltern aus bindungs- und entwicklungspsychologischer Perspektive. Im Zentrum stand dabei die Frage: „Wie kann es gelingen, Kindern von Inhaftierten den Boden unter den Füßen zu bewahren?“ Anhand aktueller Erkenntnisse aus der Bindungsforschung erläuterte Murawa zunächst, worauf sichere Bindung gründet, welche Bindungstypen unterschieden werden und weshalb stabile Bindungserfahrungen für die Entwicklung von Kindern essenziell sind. Daran anschließend beschrieb er eindrücklich die Auswirkungen einer Inhaftierung auf das Bindungserleben von Kindern: „Der sichere Hafen steht in Flammen, die sichere Basis hat Risse bekommen. Das unsichtbare Band ist zum Zerreißen gedehnt.“ Die Erfahrung der Inhaftierung wirke sich unabhängig vom zuvor bestehenden Bindungstyp tiefgreifend auf betroffene Kinder aus. Aus einem Gefühl von Sicherheit werde häufig das Empfinden: „Mir haftet etwas an.“ Umso wichtiger sei es, Kindern, sofern das Kindeswohl nicht gefährdet wird, weiterhin verlässliche Kontaktmöglichkeiten zu ihren inhaftierten Elternteilen zu ermöglichen. Der Vortrag machte deutlich, dass stabile Beziehungen, kindgerechte Besuchsmöglichkeiten und kontinuierliche Bindungserfahrungen zentrale Schutzfaktoren für die betroffenen Kinder darstellen.

Workshops: Austausch und Inspiration

Ein zentraler Bestandteil des Fachtags waren die vier praxisorientierten Workshops, die Raum für fachlichen Austausch, Vernetzung und die gemeinsame Entwicklung neuer Ideen boten. Thematisch widmeten sich die Workshops sowohl Unterstützungsangeboten im Justizvollzug als auch im Sozialraum:

  • „Einzelberatung und Unterstützungsangebote drinnen“
  • „Einzelberatung und Unterstützungsangebote draußen“
  • „Gruppenangebote und Veranstaltungen drinnen“
  • „Gruppenangebote und Veranstaltungen draußen“

Im Mittelpunkt standen dabei konkrete Erfahrungen aus der Praxis sowie die Frage, wie Unterstützungsangebote für Kinder von Inhaftierten weiterentwickelt und nachhaltig verankert werden können.

Bereits im Vorfeld des Fachtags hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sogenannte Steckbriefe einzureichen und darin ihre Angebote und Projekte zum Thema „Kinder von Inhaftierten“ vorzustellen. Auch am Veranstaltungstag selbst konnten weitere Steckbriefe ergänzt werden. Die vorgestellten Angebote bildeten die Grundlage für die anschließenden Workshop- und Kleingruppenphasen, in denen intensiv diskutiert, Best-Practice-Beispiele ausgetauscht und neue Ansätze entwickelt wurden. Besonders bereichernd war dabei die vielfältige Zusammensetzung der Teilnehmenden: Fachkräfte aus verschiedenen Bundesländern, Vertreter*innen der Justiz- sowie Jugend- und Bildungsministerien, Mitarbeitende aus dem Justizvollzug, der öffentlichen und freien Jugendhilfe, der Straffälligenhilfe sowie der Landesfachstellen des Netzwerk Kinder von Inhaftierten brachten ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen ein. Dadurch entstand ein lebendiger, interdisziplinärer Austausch, der von Offenheit, Praxisnähe und dem gemeinsamen Ziel geprägt war, die Situation von Kindern Inhaftierter nachhaltig zu verbessern.

Gemeinsam Perspektiven schaffen

Der Fachtag machte deutlich, wie wichtig bundesweite Vernetzung, fachlicher Austausch und gemeinsame Verantwortung für die Unterstützung von Kindern Inhaftierter und ihrer Familien sind. Gemeinsam arbeiteten die Teilnehmenden daran, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu schaffen, damit betroffene Kinder und Familien künftig in ganz Deutschland die Unterstützung bekommen, die ihnen zusteht. Die vielfältigen Impulse, Praxisbeispiele und Diskussionen zeigten eindrucksvoll, wie groß das Engagement der beteiligten Fachkräfte und Institutionen bereits ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es weiterhin starke Kooperationen, politische Unterstützung und nachhaltige Strukturen braucht, um Kinder von Inhaftierten langfristig besser zu begleiten, ihre Rechte zu stärken und ihnen faire Chancen auf Teilhabe und Entwicklung zu ermöglichen.

Arbeitszeit: 19,5 Wochenstunden
Arbeitsort: Justizvollzugsanstalt Würzburg
Start: ab 01.07.2026
Befristet bis 31.12.2028

Treffpunkt e.V. Nürnberg ist seit über 35 Jahren in der Straffälligenhilfe, Jugendhilfe und Familienarbeit tätig. Mit der Landesfachstelle „Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bayern“ arbeiten wir daran, die Situation von Kindern inhaftierter Eltern strukturell zu verbessern.

Zum 01.07.2026 suchen wir eine*n Sozialpädagog*in / Sozialarbeiter*in als Familienbeauftragte*n in der JVA Würzburg.

Die Stelle ist Teil eines Modellprojekts zur Stärkung eines familienorientierten Vollzugs in Bayern.

Ihre Aufgaben

Als Familienbeauftragte*r übernehmen Sie eine zentrale Schnittstellenfunktion zwischen Justizvollzug, Familien, Kindern und externen Hilfesystemen.

Zu Ihren Aufgaben gehören insbesondere:

  • zentrale Ansprechperson für Inhaftierte und ihre Angehörigen, externe Fachkräfte und Mitarbeitende in der JVA
  • Koordination und Weiterentwicklung familienorientierter Angebote
  • Unterstützung bei der Gestaltung kindgerechter Besuchssettings
  • Aufbau und Pflege regionaler Netzwerke (insb. Jugendhilfe, Beratungsstellen, freie Träger)
  • Organisation und Mitwirkung bei Informations- und Austauschformaten
  • Mitwirkung an Berichtswesen, Dokumentation und Evaluation

Sie arbeiten im Alltag eng mit den Fachdiensten zusammen und sind intern an die Anstaltsleitung angebunden. 

Ihr Profil

  • abgeschlossenes Studium der Sozialen Arbeit / Sozialpädagogik oder vergleichbare Qualifikation
  • Erfahrung in der Arbeit mit Familien, idealerweise im Kontext Straffälligenhilfe oder Jugendhilfe
  • Fähigkeit, strukturiert zu arbeiten und Themen verbindlich voranzubringen
  • sicheres Auftreten in unterschiedlichen Systemen (Justiz, Jugendhilfe, Verwaltung)
  • Interesse an Netzwerkarbeit und Schnittstellenmanagement
  • Fähigkeit, eigenständig zu arbeiten und gleichzeitig abgestimmt zu handeln
  • Bereitschaft, überwiegend vor Ort in der JVA Würzburg tätig zu sein
  • Bereitschaft zur digitalen Zusammenarbeit mit dem Team in Nürnberg
  • Sensibilität im Umgang mit belasteten Familien

Wünschenswert: Kenntnisse im Bereich Straffälligenhilfe oder Justizvollzug sowie Erfahrung in Projekt- oder Konzeptarbeit. 

Wir bieten – ein starkes Team für eine starke Sache

  • fachlich anspruchsvolle und sinnstiftende Tätigkeit mit Gestaltungsspielraum
  • Einbindung in die Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bayern im Treffpunkt e.V.
  • fachliche Begleitung und Austausch (digital und punktuell vor Ort)
  • Vergütung nach TVöD SuE 11b
  • Zuschuss zum Jobticket

Rahmenbedingungen

  • Dienstort ist die Justizvollzugsanstalt Würzburg
  • Anstellung bei Treffpunkt e.V. Nürnberg
  • Arbeitszeit: 19,5 Stunden/Woche
  • Befristung: bis 31.12.2028
  • Einstellung vorbehaltlich Sicherheitsüberprüfung durch die Justiz

Ihr Weg zu uns

Gerne besprechen wir Ihre Einsatzmöglichkeiten und den konkreten Stundenumfang in einem ersten persönlichen Gespräch. Bitte richten Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen per E-Mail an Sylvia Vogt: leitung@treffpunkt-nbg.de.

Kinder von Inhaftierten gehören zu den unsichtbarsten Betroffenen im Strafvollzug. Im Gespräch mit Frau Ministerialdirigentin Esther Fuchs-Jürgens, Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat, Referatsleiterin IV/B2 Abtlg. IV und Mitglied im Fachbeirat Landesfachstelle im Netzwerk Kinder von Inhaftierten – Hessen sprechen wir über die Verantwortung der Justiz, die Rolle des Fachbeirats und darüber, warum familienorientierte Angebote in Justizvollzugsanstalten ein zentraler Baustein kindgerechter Rechtspolitik sind.

 

Warum engagieren Sie sich persönlich im Beirat des Projektes „Kinder von Inhaftierten“?

Das hat mehrere Gründe. Zum einen lässt sich über ein Engagement in einem Beirat aktiv Einfluss nehmen auf die Qualität und die Weiterentwicklung des Projektes. Zum anderen ist es mir wichtig, gemeinsam über eine wirksame Unterstützung für die Kinder von Inhaftierten und deren Eltern nachzudenken und nachhaltige Strukturen und Veränderungen im Rahmen eines Netzwerkes anzustoßen. Letztlich zählt für mich aber ganz besonders, immer wieder auf die besondere Bedürfnislage der Kinder aufmerksam zu machen, sie sichtbar zu machen.

Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht familienorientierte Angebote in einer JVA?

Familienorientierte Angebote im Justizvollzug sind für die Kinder und deren Eltern sehr wichtig. Diese Angebote helfen, die Beziehung trotz einer Trennung aufrechtzuerhalten und zu pflegen, manches Mal sogar zu verbessern. Die Haft eines Elternteils trifft nicht nur den Täter oder die Täterin, sondern das gesamte Familiensystem. Deswegen werden im Rahmen der Familienorientierung im hessischen Justizvollzug vielseitige Maßnahmen für Väter, Mütter und Kinder angeboten.

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft im Umgang mit Kindern von Inhaftierten?

Ich wünsche mir von der Gesellschaft mehr und stetige Aufmerksamkeit für die besondere Bedürfnislage der Kinder von Inhaftierten. Kinder von Inhaftierten dürfen kein Randthema sein. Ihre Lebenssituation trifft viele Bereiche gleichzeitig. Daher ist auch das Anliegen der am Projekt beteiligten verantwortlichen Ressorts, gemeinsam weiterhin gute tragfähige Lösungen zur Unterstützung der Angehörigen von Inhaftierten zu erarbeiten.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Lücke in der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Themas?

Viele Menschen verbinden Haft mit den Inhaftierten und nicht mit deren Familien. Die Auswirkungen auf Familienangehörige sind ihnen nicht bewusst. Es gibt wenig öffentliche Aufmerksamkeit, wenig Statistik für die Problematik der Kinder. Es braucht mehr an öffentlichkeitswirksamen Aktionen oder auch Nutzen von Social Media um ein besseres Verständnis zu fördern.

Welche Rolle spielt der Beirat für das Projekt und welchen Beitrag leisten sie in Ihrer beruflichen Tätigkeit?

Der Beirat vereint Fachwissen aus unterschiedlich verantwortlichen Bereichen und treibt somit eine Vernetzung der Ressorts voran. Ein schnelleres Reagieren auf die Bedürfnislage der Angehörigen, besonders der Kinder wird dadurch gefördert. Durch diese ressortübergreifende Zusammenarbeit enden die Bemühungen des Vollzugs nicht bei der Entlassung an der „Pforte“, sondern setzen sich idealerweise nahtlos im Alltag der Familien fort. Meine Tätigkeit als Referatsleiterin umfasst daher sowohl die Umsetzung der Maßnahmen im Rahmen der vollzuglichen Familienorientierung als auch die Förderung der ressortübergreifenden Zusammenarbeit.

Wie hat sich die Situation von Kindern von Inhaftierten seit dem Start des Projektes verändert?

Seit dem Start des Projektes konnten die bereits bestehenden Strukturen und Angebote im Rahmen der Familienorientierung im hessischen Justizvollzug weiter ausgebaut werden. Die Situation der Kinder von Inhaftierten hat sich weiter spürbar verbessert, dies vor allem durch gezielte Maßnahmen, Besuchsausgestaltung und kinderfreundliche Broschüren sowie Fortbildungsangebote für Mitarbeitende. So sind die Kinder der Inhaftierten sichtbarer geworden und erhalten ihrer Bedürfnislage entsprechend Unterstützung. Natürlich bleibt immer noch viel zu tun, aber die Richtung hin zum Verständnis und zur Teilhabe stimmt.

Das Netzwerk Kinder von Inhaftierten (KvI) wächst weiter und freut sich über Zuwachs aus zwei weiteren Bundesländern: Neben Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen gibt es nun auch eine Landeskoordinierungsstelle in Bremen sowie die Koordinierungs- und Beratungsstelle Z.E.B.R.A. in Sachsen. Damit stärkt unser Netzwerk bundesweit die Unterstützung für Kinder, deren Eltern in Haft sind, und macht ihre Rechte sichtbarer.

Auch in Baden-Württemberg haben sich Akteur*innen in einer Konzept-AG zusammengeschlossen, um den Aufbau entsprechender Strukturen voranzubringen und die Unterstützung für Kinder von Inhaftierten weiter zu verbessern.

Kinder von Inhaftierten

Mit der Inhaftierung eines Elternteils verändert sich der Familienalltag grundlegend: Kinder und Angehörige erleben oft Traurigkeit, Angst, Wut oder Scham und wissen häufig nicht, wie sie über ihre Situation sprechen oder wo sie Hilfe finden können. Kinder von inhaftierten Eltern stehen dabei häufig unter erheblichem seelischem Druck. Studien zeigen, dass viele betroffene Kinder langfristige psychische Belastungen entwickeln. Ursachen dafür sind u.a. die plötzliche Trennung vom Elternteil, Unsicherheit, Loyalitätskonflikte sowie die gesellschaftliche Tabuisierung von Inhaftierung.

Neben den psychischen Belastungen sind auch ökonomische und strukturelle Folgen erheblich. Der Wegfall eines Haushaltseinkommens erhöht das Armutsrisiko und die nicht inhaftierten Elternteile, häufig die Mütter, müssen sich plötzlich mit Behördengängen, Anträgen sowie existenziellen Unsicherheiten rund um Wohnraum, Lebenshaltung, Kinderbetreuung und Gesundheitsversorgung auseinandersetzen. Dies erhöht die Risiken sozialer Isolation und langfristiger Benachteiligungen für die Entwicklung der Kinder.

Auch Fachkräfte in Jugendämtern, Schulen, Kitas, Beratungsstellen oder im Justizvollzug begegnen regelmäßig diesen Kindern. Häufig fehlt es jedoch an spezifischem Wissen oder passenden Handlungsstrategien. Die neuen Landeskoordinierungsstellen in Bremen und Sachsen setzen hier gezielt in ihren Bundesländern an.

Koordinierungs- und Beratungsstelle Z.E.B.R.A. in Sachsen

Z.E.B.R.A. ist die zentrale Koordinierungs- und Beratungsstelle für Kinder inhaftierter Eltern, ihre Familien und Fachkräfte im Freistaat Sachsen. Sie ist beim Verein für soziale Rechtspflege Dresden e.V. angesiedelt und hat ihre Arbeit zum 1. Januar 2026 aufgenommen. Ziel ist es, Kinder zu stärken, Familien zu entlasten und Fachkräfte zu unterstützen.

Die Mitarbeitenden beraten Familien, geben Informationen zu Haft und Besuchen, unterstützen bei emotionalen Belastungen und vermitteln bei Bedarf an passende Angebote. Fachkräfte erhalten fachliche Beratung, Fortbildungen, Materialien und Vernetzungsmöglichkeiten. Träger und Einrichtungen werden beim Aufbau neuer Angebote oder der Weiterentwicklung bestehender Projekte begleitet und in die landesweite Netzwerkarbeit eingebunden. Auf diese Weise werden in Sachsen Kinder und Familien langfristig gestärkt und Fachkräfte können ihre Arbeit sicher und kompetent gestalten.

Die Landeskoordinierungsstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bremen

Am 1. März 2026 hat der freie Träger Hoppenbank e.V. in Kooperation mit der Bremer Senatorin für Justiz und Verfassung, der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration sowie dem bundesweit tätigen Netzwerk Kinder von Inhaftierten eine landesweite Koordinierungsstelle gestartet. Sie unterstützt Kinder inhaftierter Eltern und ihre Familien, macht belastende Lebenslagen sichtbar und fördert familiengerechte Vollzugsgestaltung auf Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention.

Die Landeskoordinierungsstelle soll eine erste Anlaufstelle für betroffene Familien in Bremen werden. Zudem vernetzt sie Akteur*innen aus Justiz, Jugendhilfe, Schulen, Kitas und freien Trägern und vermittelt Zugang zu Hilfsangeboten. Kindgerechte Kontaktmöglichkeiten im Strafvollzug werden ausgebaut, etwa durch zusätzliche Familiennachmittage und die Erweiterung des Angebots an Vätergruppen, und neue Projekte außerhalb der JVA, wie Freizeitangebote oder Ausflüge, gefördert. Schulungen, Fachtage und Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren Fachkräfte und die Gesellschaft für die Situation der Kinder. So entsteht in Bremen ein stabiles Netzwerk, das bedarfsgerechte Angebote entwickelt, Familien entlastet und Kinder nachhaltig stärkt.

Neue Landeskoordinierungsstellen stärken Familien und Fachkräfte

Die neuen Landeskoordinierungsstellen in Sachsen und Bremen sind ein wichtiger Schritt, um noch mehr Kinder inhaftierter Eltern und ihre Familien zu unterstützen, Fachkräfte zu vernetzen und nachhaltige, familiengerechte Angebote im Strafvollzug zu fördern. Damit können Betroffene und Fachkräfte inzwischen in acht Bundesländern eine direkte Anlaufstelle für Beratung, Information und Vernetzung erreichen. Gemeinsam mit den Partner*innen vor Ort tragen die Landeskoordinierungsstellen dazu bei, die Rechte und das Wohl der Kinder sichtbar zu machen und ihnen langfristig Halt und Perspektiven zu bieten.

Zu den Landesfach- bzw. Landeskoordinierungsstellen:

Wenn ein Elternteil inhaftiert wird, verändert sich in der Regel für die gesamte Familie vieles. Besonders Kinder und Jugendliche stehen vor großen Herausforderungen: Ein vertrauter Mensch fehlt, Fragen bleiben offen, Gefühle wie Unsicherheit, Loyalitätskonflikte oder Scham können auftreten.

Auch pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte erleben diese Situationen oft unmittelbar, fühlen sich jedoch nicht immer ausreichend vorbereitet.

Was mit ELKI erreicht werden soll

Mit dem Projekt ELKI der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm soll ein E-Learning-Angebot für Fachkräfte in Kita, Schule und anderen pädagogischen Bereichen entwickelt werden. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche mit inhaftiertem Elternteil so zu begleiten, dass sie sich verstanden, ernst genommen und sicher fühlen.

Damit das Angebot wirklich praxisnah wird, soll nicht über Betroffene gesprochen werden, sondern mit ihnen.

Gesucht werden:

  • Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren mit inhaftiertem Elternteil
  • Betreuungspersonen von Kindern mit inhaftiertem Elternteil
  • Pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte mit Kontakt zu Kindern mit inhaftiertem Elternteil

Eine Teilnahme ist sowohl bei aktueller Inhaftierung möglich, als auch bei abgeschlossener Inhaftierung oder Betreuung bzw. Zusammenarbeit im pädagogischen Kontext.

Worum geht es?

In einem vertraulichen Gespräch sollen folgende Fragen besprochen werden:

  • Welche Erfahrungen werden gemacht?
  • Was wünschen sich Kinder und Jugendliche von Fachkräften?
  • Welche Unterstützung benötigen Fachkräfte?

Ablauf

  • Dauer: ca. 45–60 Minuten
  • Persönlich oder digital
  • Streng vertraulich und anonymisiert
  • Freiwillige Teilnahme und kann jederzeit beendet werden
  • Gespräch allein oder mit vertrauter Person möglich
  • Als Dankeschön: Einkaufsgutschein

Kontakt:

📧 sw-elki@th-nuernberg.de
📞 0911 5880-2525

Info-circled Info-circled Weitere Informationen finden Sie hier:

Gestalten Sie mit, wie Unterstützung für Kinder inhaftierter Eltern künftig aussehen kann.

Die Situation, wenn ein Familienmitglied in Haft ist, ist für Angehörige oft belastend und herausfordernd. Viele Familienmitglieder, insbesondere Kinder, fühlen sich verunsichert, allein oder überfordert. Um Familien in dieser Situation zu stärken, bietet die Landesfachstelle im Netzwerk Kinder von Inhaftierten – Hessen seit Anfang 2026 einen moderierten, kostenfreien Online-Gesprächskreis an.

 

Wann und wie?

  • Jeden ersten Dienstag im Monat
  • 18:00–19:00 Uhr
  • Online und leicht zugänglich
  • Moderierter, geschützter Raum für Austausch

Der Gesprächskreis richtet sich an alle Familienmitglieder, die einen inhaftierten Angehörigen haben. Ziel ist es, Erfahrungen zu teilen, gegenseitige Unterstützung zu erfahren und Kraft für den Alltag zu schöpfen.

Kontakt:

Interessierte Familien können sich direkt per E-Mail oder telefonisch anmelden.

kvi-hessen@aktion-verein.org
Telefon: 0641 – 969 766 53

Die Teilnahme ist freiwillig und vertraulich.

Gemeinsam möchten wir Familien unterstützen, die oft im Hintergrund stehen, und einen Raum schaffen, in dem sie gehört und gestärkt werden.

Diese Woche war unsere Kollegin Christiane Paulus im Bayerischen Landtag zu Gast. Anlass war die offizielle Übergabe der Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des familienfreundlichen Vollzugs durch die Kinderkommission an das Bayerische Staatsministerium der Justiz.

Kinderkommission macht Vorschlaege fuer Verbesserungen fuer Kinder von Inhaftierten
mit Doris Rauscher (SPD, v.l.), Mia Goller (Gruene), Melanie Huml (CSU), Dr. Winfried Brechmann, Ministerialdirektor im Bayerischen Staatsministerium der Justiz, Marina Jakob (FW) und Christiane Paulus, Leiterin der Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten (KvI) Bayern,
aufgenommen am 10.02.2026 im Bayerischen Landtag in Muenchen.

Die Kinderkommission des Bayerischen Landtags hat einen Forderungskatalog erarbeitet, um die Situation von Kindern inhaftierter Eltern in den bayerischen Justizvollzugsanstalten nachhaltig zu verbessern. Unter der Vorsitzenden Melanie Huml übergaben die Mitglieder der Kommission ihre Empfehlungen an den Vertreter des Justizministeriums.

In enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus der Praxis, wie unserer Leiterin der Landesfachstelle Bayern vom Netzwerk KvI, wurden konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt. Ziel ist es, die Bedarfe der betroffenen Kinder stärker in den Blick zu nehmen und familienfreundliche Strukturen im Justizvollzug weiter auszubauen.

Denn auch im Justizvollzug gilt: Kinder brauchen verlässliche Beziehungen, Stabilität und Perspektiven. Familienfreundliche Rahmenbedingungen leisten einen wichtigen Beitrag zum Kinderschutz und zur sozialen Teilhabe.

Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des familienfreundlichen Vollzugs:

  1. Ausbau und Verstetigung der Schulungsangebote für Bedienstete, insbesondere Integration in die Anwärterausbildung, um den Umgang mit Kindern zu professionalisieren.
  2. Weiterentwicklung und flächendeckende Umsetzung kinderfreundlicher Besuchsräume mit spielerischer Gestaltung, um die Besuchssituation für Kinder zu entspannen.
  3. Erweiterung der technischen Möglichkeiten für den Kontakt zwischen Kindern und inhaftierten Eltern, insbesondere durch Ausbau von Videotelefonie und Telefonie.
  4. Verbesserung der Feedbackmechanismen, etwa durch Nutzung der Postkästen, um Besuchsabläufe kontinuierlich zu evaluieren und zu verbessern.
  5. Berücksichtigung der unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten der Justizvollzugsanstalten bei der Planung und Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen, um passgenaue Lösungen zu gewährleisten.
  6. Sicherstellung einer bedarfsgerechten, einzelfallbezogenen sozialdienstlichen Beratung für Inhaftierte mit familiären Anliegen.
  7. Langfristige Planung und Budgetierung zur nachhaltigen Weiterentwicklung familienbezogener Angebote, abhängig von der Haushaltslage.

Wenn ein Mensch inhaftiert wird, betrifft das nicht nur die verurteilte Person – auch ihre Angehörigen werden oft unsichtbar mitbestraft. Partner*innen, Kinder, Eltern oder enge Freund*innen geraten plötzlich in eine Ausnahmesituation. Sie erleben emotionale Belastungen, soziale Ausgrenzung und organisatorische Herausforderungen. Oft fehlen passende Anlaufstellen, Austauschmöglichkeiten oder schlicht das Gefühl, verstanden zu werden.

Um diese Menschen in den Fokus zu rücken und ihnen eine Stimme zu geben, hat der SKM Freiburg den Podcast „Mitbestraft – Im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten“ ins Leben gerufen.

Die Idee entstand direkt aus einer Angehörigengruppe heraus – ein starkes Beispiel für gelebte Selbstvertretung und Empowerment. In jeder Folge sprechen Angehörige offen und ehrlich über ihre Erfahrungen: über Sprachlosigkeit, Schuldgefühle und Isolation – aber auch über Kraftquellen, Veränderung und Hoffnung. Der Podcast möchte Angehörige nicht nur emotional entlasten, sondern auch ermutigen, neue Wege im Umgang mit der belastenden Situation zu finden.

Ziel des Podcasts ist es, die oftmals übersehene Lebensrealität von Angehörigen inhaftierter Menschen sichtbar zu machen und ein Angebot zu schaffen, das niedrigschwellig zugänglich ist – auch für Betroffene, die sich (noch) nicht aktiv Hilfe holen können oder wollen. Darüber hinaus soll das Format öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Tabuthema lenken, das bislang zu selten gesellschaftlich und politisch Beachtung findet. Nicht zuletzt richtet sich der Podcast auch an Fachkräfte, die im Arbeitsalltag mit betroffenen Familien in Berührung kommen – mit dem Ziel, sie zu sensibilisieren und zum Nachdenken anzuregen.

Was erwartet Sie im Podcast?

Jede Folge beleuchtet ein zentrales Thema aus dem Alltag Angehöriger – authentisch, sensibel und ehrlich.

Bereits erschienen sind:

  • Folge 1: Warum diesen Podcast?

  • Folge 2: Papa im Knast – (Wie) sag ich’s meinem Kinde?

  • Folge 3: Drinnen und Draußen – Dazwischen die Mauer

  • Folge 4: Partner*in im Knast...was nun? Erste Hilfe für Angehörige von Inhaftierten

  • Folge 5: Mein Vater zum zweiten Mal in Haft – Eine Tochter erzählt

  • Folge 6: Strafe muss sein! – Muss Strafe sein?

  • Folge 7: Auszeit für Kinder von Inhaftierten – die Ferienfreizeit des SKM

  • Folge 8: Der Vater meiner Tochter in Haft – Eine Mutter erzählt

Jeden Monat erscheint eine neue Folge.

Hier können Sie den Podcast hören:

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Im November fand – imitiert von der Landesfachstelle KvI Bayern – im Bayerischen Staatsministerium der Justiz in München ein Fachtag zum Thema „Gemeinsam für die Kinder von Inhaftierten“ statt. Ziel des Fachtages war es, Fachkräfte aus Justiz, Jugend- und Familienhilfe sowie weiteren relevanten Bereichen zusammenzubringen, um die Situation der betroffenen Kinder in den Blick zu nehmen und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Nach der Begrüßung durch den Staatsminister der Justiz, Georg Eisenreich (MdL), eröffnete Michél Murawa mit seinem Fachvortrag „Sichere Bindung als Fundament“ den inhaltlichen Teil des Fachtages. Er beleuchtete eindrucksvoll, wie Kindern trotz der Belastungen, die eine Inhaftierung eines Elternteils mit sich bringt, Stabilität und Bindungssicherheit ermöglicht werden können. Die anschließende Diskussion verdeutlichte den hohen Bedarf an Austausch, Fachwissen und sensibler Einschätzung des Kindeswohls.

Einen Einblick in die Arbeit der 2023 eingerichteten Landesfachstelle Netzwerk KvI Bayern gaben Christiane Paulus und Annika Rausch. Sie berichteten über erste Erfolge in den Modellregionen Nürnberg und Bayreuth, wo neue Unterstützungsangebote aufgebaut und Akteure aus Justiz, Jugend- und Familienhilfe vernetzt werden. Gleichzeitig wurden bestehende Herausforderungen sowie Perspektiven für den weiteren Ausbau familienorientierter Strukturen benannt.

Am Nachmittag boten verschiedene Themeninseln Gelegenheit zum praxisnahen Austausch: von der Rolle der Familienbeauftragten über die Vorstellung, wie das Thema Kinder von Inhaftierten in anderen (Bundes)Ländern bearbeitet wird, hinzu der Frage „Wie sage ich es meinem Kinde?“ und  gelingenden Besuchskonzepten in Justizvollzugsanstalten. Die aktive Teilnahme und die lebhaften Diskussionen machten deutlich, wie wichtig und vielfältig die Fragestellungen sind. Die Teilnehmenden brachten ihre Erfahrungen engagiert ein und zeigten großes Interesse daran, bestehende Angebote weiter zu verbessern und neue Handlungsmöglichkeiten zu erschließen.

Zum Abschluss gab Claudia Kittel von der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention am Deutschen Institut für Menschenrechte einen Überblick über die kinderrechtlichen Grundlagen. Sie stellte die Rechte betroffener Kinder sowie die staatlichen Verpflichtungen heraus und betonte, wie zentral der Schutz und die Stärkung familiärer Beziehungen im Sinne des Kindeswohls sind.

Der Fachtag zeigte eindrucksvoll, wie bedeutsam eine qualifizierte, vernetzte und kindzentrierte Praxis für Kinder von Inhaftierten ist. Die vielfältigen Impulse der Veranstaltung fließen nun in die Weiterarbeit der Landesfachstelle ein: Mit dem Ziel, die Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Kinder nachhaltig zu verbessern.

Rund 1.900 Kinder in Hamburg wachsen mit einem inhaftierten Elternteil auf – häufig unsichtbar, stark belastet und ohne ausreichende Unterstützung. Um genau diese Kinder stärker in den Blick zu nehmen, veranstaltete die Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Hamburg am 7. November 2025 einen Fachtag mit dem Titel „Kinder von Inhaftierten – Gemeinsame Aufgabe von Jugendhilfe und Justiz“.

Der Fachtag brachte Fachkräfte aus Jugendhilfe und Justiz zusammen, um die Lebenslagen von Kindern Inhaftierter zu verstehen, fachliche Perspektiven zu bündeln und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln.

Ein gelungener Auftakt: Begrüßung und Einführung

Nach dem Ankommen im dock europe e.V. in der fux-Kaserne eröffnete die Landesfachstelle Hamburg den Tag und stellte den fachlichen Rahmen vor.

Hilde Kugler, Leitung Bundesinitiative Netzwerk Kinder von Inhaftierten, setzte anschließend mit ihrem Impulsvortrag „Das Netzwerk Kinder von Inhaftierten – Eine unsichtbare Zielgruppe“ den Ton für den Fachtag. Sie informierte über rechtliche Grundlagen, verdeutlichte welche Auswirkungen eine Inhaftierung auf Familien und insbesondere die Kinder hat und stellte die Arbeit des Netzwerk Kinder von Inhaftierten vor.

Fachliche Inputs: Perspektiven aus Jugendhilfe und Justiz

Im zweiten Vortrag gab Jessika Distelmeyer, Fortschritte Hamburg, wertvolle Einblicke in die bindungssensible Stärkung und Begleitung von Kindern mit inhaftierten Eltern. Sie zeigte auf, wie stabilisierende Beziehungen, Sensibilität im Umgang und kontinuierliche Begleitung den Alltag betroffener Kinder nachhaltig stärken können und was es bedeutet, wenn diese Faktoren bei Kindern mit einem inhaftierten Elternteil auf einmal wegfallen.

Darauf folgten zwei Praxis-Inputs:

  • Herausforderungen aus Sicht der Justiz: Einblicke in den Strafvollzug
  • Herausforderungen in der Praxis der Jugendhilfe

Diese Perspektiven machten deutlich: Beide Systeme stehen vor ähnlichen Herausforderungen – und profitieren von enger Zusammenarbeit.

Workshops: Vertiefung und Austausch

Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden in drei parallelen Workshops ihre Themen vertiefen:

  1. „Und was ist mit mir?“ Ein Blick auf die Perspektive der Kinder
    Dorit Paetzold, Kinderschutzbund Hamburg, richtete den Fokus auf die Erlebnisse, Bedürfnisse und Belastungen der Kinder und zeigte alltagspraktische Wege, ihre Situation sichtbar zu machen und zu entlasten.
  2.  Zwischen Sicherheit und Kinderrechten – Familienorientierung als Schlüssel
    Anja Seick, Projektleitung Landeskoordinierungsstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Berlin, und Joana Walter, Familienprojekt aufGefangen, gaben Einblicke in die Herausforderungen des Vollzugs, in dem Sicherheitsaspekte und Kinderrechte oft miteinander konkurrieren. Darüber hinaus wurden die familienorientierte Angebote innerhalb und außerhalb von Haft aus Berlin vorgestellt.
  3. Zukunftswerkstatt – Was braucht es an familienorientierten Angeboten „drinnen“ und „draußen“?
    Lisa Lewin und Fiona Reinke, Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Hamburg, arbeiteten gemeinsam mit den Teilnehmenden an konkreten Ideen für familienorientierte Angebote – sowohl innerhalb der Haftanstalten als auch außerhalb.

Abschluss und Vernetzung

Der Fachtag endete mit einem informellen Austausch bei Kuchen aus Santa Fu – eine Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen, Kontakte zu knüpfen und gemeinsam weiterzudenken.

Fazit

Der Fachtag zeigte eindrücklich: Kinder von Inhaftierten brauchen Sichtbarkeit, starke Netzwerke und verlässliche Strukturen. Dafür müssen Jugendhilfe, Justiz und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Die zahlreichen Impulse und konkreten Ideen des Tages bilden eine wertvolle Grundlage, die Unterstützung für Kinder von Inhaftierten in Hamburg weiterzuentwickeln und nachhaltig zu stärken.