Die JVA Nürnberg hat ihre Besuchsräume neugestaltet: Das Treffpunkt-Maskottchen Juki ziert nun in Form eines großen Zebra-Wandtattoos die Besuchsräume der Frauen- und Männeranstalt. In der Untersuchungshaftanstalt soll das Wandtattoo ebenfalls angebracht werden. So wird insbesondere für die kleinen Besucher eine freundlichere und einladendere Atmosphäre geschaffen.

Bei der Wahl des Motivs für das Wandtattoo wurde sich bewusst für das Zebra Juki entschieden. Es ist dem ein oder anderen bereits bekannt: So gibt es etwa das Kinderbuch „Wie Schokopudding und Spaghetti“, das Memory „Im Gefängnis – so lebt Papa“ oder das Juki-Briefset, das speziell dafür entwickelt wurde, den Kontakt zwischen Kind und inhaftiertem Elternteil zu halten. Zudem soll Juki eine spielerische und freundlichere Umgebung schaffen. Der Gedanke dahinter liegt auf der Hand: Der schwierige Kontext der Justizvollzugsanstalt, dem die Kinder bei den Besuchen des inhaftierten Elternteils ausgesetzt sind, soll dadurch aufgelockert werden. Juki begleitet die Kinder, schafft Vertrautheit und nimmt Nervosität.

Hufabdrücke als Wegweiser durch die Anstalt

Ergänzend zu dem Wandtattoo wurden in der Mütter-Gesprächsgruppe sowie von den Vätern der Vater-Kind-Gruppe, Hufabdrücke gefertigt – beide Gruppen werden vom Treffpunkt e.V. in der JVA durchgeführt. Die Hufabdrücke wurden bereits in der Frauenanstalt angebracht, in der Männeranstalt werden sie zeitnah ergänzt. Die Hufspuren auf dem Boden dienen nicht nur Dekorationszwecken, sondern erfüllen einen praktischen Zweck: Sie fungieren als Wegweiser, der den Kindern den Weg zum Besucherzimmer weist. Diese spielerische Form der Orientierung soll den betroffenen Kindern Unsicherheit und Anspannung nehmen, die oft mit dem Besuch des inhaftierten Elternteils in der JVA einhergehen.

Positive Resonanz

Jukis Einzug inklusive seiner Hufabdrücke kommt gut an: Einerseits wird den Besuchern der Weg erleichtert. Sie müssen nur den Hufabdrücken folgen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Andererseits bringt das freundliche Zebra mit seinen Spuren auch eine gewisse Leichtigkeit in das sonst so schwere Thema. So hat sich ein Kriminalbeamter erkundigt, ob die JVA neuerdings eine Reiterstaffel besäße und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Bei einem Rechtsanwalt kam beim Anblick der Hufabdrücke die Frage auf, ob denn um die Ecke ein Einhorn zu erwarten sei?

Teil einer breiteren Initiative

Initiiert wurde die Neugestaltung der JVA-Besuchsräume von der Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bayern, die Anfang 2023 ihre Arbeit aufgenommen hat. Ihr Ziel ist negative Auswirkungen, die mit der Inhaftierung eines Elternteils einhergehen, zu minimieren und die bestmögliche Entwicklung von Kindern Inhaftierter zu sichern.

KipsFam fragt: Frank Beese vom Netzwerk Kinder von Inhaftierten MV

Mehr als 100.000 Kinder in Deutschland wachsen mit einem Elternteil hinter Gittern auf. Viele von ihnen wünschen sich Kontakt zu ihren Vätern (nur etwa sechs Prozent der Inhaftierten sind Frauen). In vielen Anstalten mangelt es jedoch bisher an Möglichkeiten zur Umsetzung. Frank Beese von der Landeskoordinierungsstelle Kinder von Inhaftierten MV erklärt, wie es gelingen kann.

Mit welchen Herausforderungen sind Kinder konfrontiert, deren Eltern ins Gefängnis müssen?

Eine JVA ist kein idealer Ort der Begegnung. Inhaftierte werden von der Justiz in erster Linie nicht als Eltern gesehen, sondern eben als Straftäter. Sie haben eine begrenzte Zeit im Monat, um Besuch zu empfangen. Die Regelungen ermöglichen häufig keinen kindgerechten Umgang: Besuchsräume voller Tische und fremder Menschen, man muss leise sein, seine Sachen abgeben, wird beobachtet. Das ist kein Setting für Kinder; es wirkt befremdlich und beängstigend.

Die Kinder sind bestraft, ohne eine Straftat begangen zu haben und gewissermaßen mitinhaftiert. Allerdings fühlt sich niemand für sie zuständig: Die Justiz ist für die Inhaftierten da, die Kinder- und Jugendhilfe für die, die aktiv Unterstützung suchen. Wir möchten dafür sensibilisieren, dass Einrichtungen Verantwortung für die Kinder und Angehörigen übernehmen. Familie ist ein Resozialisierungsfaktor für die Väter. Die Haftzeit wiegt schwerer, wenn zuhause jemand auf einen wartet.

Wie möchte das Netzwerk unterstützen?

Einige Inhaftierte haben als Kinder zum Beispiel Gewalt oder die Inhaftierung des eigenen Vaters erlebt (wir lernen z.T. Gefangene in dritter Generation kennen). Sie haben häufig nicht erfahren, was ein guter Vater ist. Auch deswegen brauchen sie Zeit allein mit ihren Kindern. Dafür ist eine kindgerechte Atmosphäre notwendig: Spielsachen, Beschäftigungsmaterial und Besuchszeiten mit dem Kind, die die Väter allein gestalten können, auch ohne die Mutter. Um das umzusetzen, holen wir die Mitarbeitenden vor Ort mit ins Boot.

Unser gemeinsames Ziel ist es, bis 2025 in jeder Anstalt in MV eine*n Familienbeauftragte*n zu haben und einen freien Träger, der betroffene Familien betreut. Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen Justiz und Jugendhilfe.

In einigen Regionen klappt es schon sehr gut. An der JVA Waldeck wird beispielsweise durch das Maskottchen Robin Fuchs Gefängnis kindgerecht erklärt; Väter können ihren Kindern Karten schreiben, Fotos und Geschichten aufnehmen. Es gibt Familienfeste, Extrabesuche und Vätergruppen.

Wissen alle betroffenen Kinder, dass ihre Eltern in Haft sind?

Viele Eltern haben Angst davor, was passiert, wenn das Kind erfährt, dass Papa in Wirklichkeit gar nicht auf Montage, sondern im Knast ist. Väter schämen sich, weil sie etwas falsch gemacht haben. Dabei haben Kinder oft ganz praktische Fragen: Bekommst du was zu essen? Gehst du arbeiten? Was machst du, wenn du mal zum Arzt musst? Es ist wichtig, alles mit dem Kind altersgerecht zu besprechen. Beispielsweise gibt es die Idee von inhaftierten Vätern, Haft als eine andere Form von Stubenarrest zu erklären: Auch Erwachsene machen Fehler, die Konsequenzen haben.

Was kann außerdem helfen?

Für viele betroffenen Familien ist die Inhaftierungssituation schambehaftet und es besteht eine große Gefahr der Ausgrenzung. Väter werden zum Teil ganz plötzlich aus der Familie gerissen, die dann ohne Unterstützung dasteht. Wir möchten die Angst vor dem System nehmen und bieten Angehörigen sowohl vor Ort als auch online und anonym Beratungen und Chats an. In MV sind die Wege vom Wohnort zur Haftanstalt oft sehr lang und ohne eigenes Auto kaum zu bewerkstelligen – schon gar nicht für Kinder. Wir helfen in besonderen Fällen beim Transport und vermitteln Kontakte, gehen mit in die Jugendämter usw.

Im November laden wir zum ersten Mal betroffene Familie gemeinsam mit der Gefängnisseelsorge zu einem Wochenende nach Graal-Müritz ein, um Erfahrungen auszutauschen.

Ist es immer sinnvoll, Kontakt zum inhaftierten Vater zu halten?

Es gibt ein gesetzlich verankertes Kinderrecht auf Umgang mit den Eltern – der Ausnahmefall Gefängnis ist jedoch nicht enthalten. Das Interesse des Kindes muss aber immer gehört werden, auch in schwierigen Fällen. Angehörige sind ja zum Teil froh, wenn der gewalttätige Vater endlich hinter Gitter kommt etc. – aber niemand fragt die Kinder nach ihren Bedürfnissen. Extremes Beispiel: Ein Vater hat Menschen getötet, darunter auch die Mutter des Kindes. Trotzdem kann es sein, dass das Kind Kontakt wünscht. Das muss bei allen Bedenken berücksichtigt werden – Kinder müssen mitbestimmen.

Die Inhaftierung der eigenen Mutter ist ein großer Schock für die Kinder und wirft gleichzeitig viele Fragen auf. Es ist nicht immer einfach, Erklärungen darauf zu finden. In unserem Beitrag und Flyer „Mama muss ins Gefängnis“ finden Sie daher kindgerechte Antworten zu diesem schwierigen Thema.



Das Wichtigste zuerst

Dein Papa hat dich immer noch lieb. Du kannst deinen Papa noch lieb haben. Daran wird sich nichts ändern!



Geht es Papa gut?

Dein Papa ist versorgt. Er hat ein eigenes Bett und bekommt genug zu Essen. Falls er krank wird, gibt es einen Arzt im Gefängnis.

Besuche

Wie oft und wann du deinen Papa besuchen darfst, ist bei jedem Gefängnis anders. Die Besuchszeiten kannst du auf der Homepage des Gefängnisses nachschauen.

Telefonate

Du kannst deinen Papa im Gefängnis nicht anrufen. In manchen Gefängnissen ist es aber möglich, dass dein Papa dich anruft.

Briefe

Du kannst deinem Papa jederzeit Briefe schreiben. Die Briefe werden im Gefängnis kontrolliert. Darum kommen die Briefe erst ein paar Tage später an. Sticker, Klebestreifen oder Kleber darfst du nicht verwenden.

Handy, Chat, E-Mail

Handys sind im Gefängnis nicht erlaubt. Dein Papa hat im Gefängnis kein Internet. Dein Papa kann also auch nicht chatten, E-Mails versenden oder empfangen.

Noch mehr Fragen?

Antworten auf noch viele andere Fragen sowie Informationen rund um das Thema Inhaftierung findest du auf: 



Lesen Sie auch: Partner in Haft. Was nun?

Jedes Jahr am 20. September wird in Deutschland und vielen anderen Ländern der Weltkindertag gefeiert. Das diesjährige Motto lautet: „Jedes Kind braucht eine Zukunft!“ Damit fordern das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland ein stärkeres politisches Engagement für eine gerechte und lebenswerte Zukunft für Kinder und junge Menschen.

Kinder und ihre Rechte sollen mehr in den Mittelpunkt rücken. Dabei sollen v.a. Kinder gestärkt werden, die strukturell benachteiligt sind – etwa Kinder aus ärmeren Haushalten, Kinder mit Behinderung oder Kinder von Inhaftierten.

Das möchten wir zum Anlass nehmen und Artikel 9 Absatz 3 der UN-Kinderrechtskonvention vorstellen:

„Die Vertragsstaaten achten das Recht des Kindes, das von einem oder beiden Elternteilen getrennt ist, regelmäßige persönliche Beziehungen und unmittelbare Kontakte zu beiden Elternteilen zu pflegen, soweit dies nicht dem Wohl des Kindes widerspricht.“

Dies gilt auch, wenn die Trennung Folge einer Freiheitsstrafe ist. Besuchsregelungen und Kontaktmöglichkeiten für Kinder inhaftierter Eltern werden jedoch sehr unterschiedlich gehandhabt und sind in der Regel nur unzureichend möglich. Dabei ist das Recht von Kindern auf persönlichen und regelmäßigen Umgang mit ihren Eltern völker- und grundrechtlich manifestiert. Das bedeutet, Kinder von Inhaftierten sind in ihren Rechten beeinträchtigt.

Wenn ein Elternteil inhaftiert wird, wirft das viele Fragen bei den Kindern auf. Für die Eltern ist es nicht immer einfach, Erklärungen darauf zu finden. Deswegen finden Sie hier Antworten rund um das Thema „Papa muss ins Gefängnis“.

Das Wichtigste zuerst

Dein Papa hat dich immer noch lieb. Du kannst deinen Papa noch lieb haben. Daran wird sich nichts ändern!

Geht es Papa gut?

Dein Papa ist versorgt. Er hat ein eigenes Bett und bekommt genug zu Essen. Falls er krank wird, gibt es einen Arzt im Gefängnis.

Besuche

Wie oft und wann du deinen Papa besuchen darfst, ist bei jedem Gefängnis anders. Die Besuchszeiten kannst du auf der Homepage des Gefängnisses nachschauen.

Telefonate

Du kannst deinen Papa im Gefängnis nicht anrufen. In manchen Gefängnissen ist es aber möglich, dass dein Papa dich anruft.

Briefe

Du kannst deinem Papa jederzeit Briefe schreiben. Die Briefe werden im Gefängnis kontrolliert. Darum kommen die Briefe erst ein paar Tage später an. Sticker, Klebestreifen oder Kleber darfst du nicht verwenden.

Handy, Chat, E-Mail

Handys sind im Gefängnis nicht erlaubt. Dein Papa hat im Gefängnis kein Internet. Dein Papa kann also auch nicht chatten, E-Mails versenden oder empfangen.

Noch mehr Fragen?

Antworten auf noch viele andere Fragen sowie Informationen rund um das Thema Inhaftierung findest du auf: 



Lesen Sie auch: Partner in Haft. Was nun?

Kommt der Vater ins Gefängnis, ist das oft ein Schock für die ganze Familie. Wut, Enttäuschung, Trauer, Angst, aber auch das fehlende Einkommen müssen verkraftet werden. Die Inhaftierung des Partners wirft viele Fragen auf: Wen muss ich informieren? Wo ist mein Partner? Kann ich ihn besuchen? Brauchen wir einen Anwalt? Was soll ich meinen Kindern sagen? Wie soll ich über die Runden kommen?

In diesem Artikel geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der Inhaftierung des Partners.


Nehmen Sie sich die Zeit, in Ruhe einen Überblick zu bekommen! Versuchen Sie die Situation zu akzeptieren.

Schreiben Sie sich eine Liste mit allem, was wichtig ist.

Überlegen Sie genau und in Ruhe, wen Sie über die Inhaftierung informieren wollen. Nicht jeder muss jedes Detail erfahren.

Sie selbst müssen erst einmal keinen Anwalt suchen. Besprechen Sie dieses Thema bei Ihrem ersten Besuch im Gefängnis.

Ihr Partner hat die Möglichkeit, aus dem Gefängnis heraus einen Anwalt zu kontaktierten.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Pflicht- oder Wahlverteidigung. Eine Wahlverteidigung ist mit mehr Kosten verbunden.

Wenn Sie wenig Geld haben und sich selbst rechtliche beraten lassen möchten, fragen Sie beim Amtsgericht nach einem Rechtsberatungsschein/Beratungshilfe.

Ihr Partner ist versorgt!

Es ist wichtig, dass Sie sich zuerst um Ihre Existenz und die Ihrer Familie kümmern. Lassen Sie sich die Haftbescheinigung von Ihrem Partner schicken.

Informieren Sie die Bundesagentur für Arbeit/Jobcenter zeitnah über die Inhaftierung, falls Sie Leistungen beziehen.

Darüber hinaus kann es weitere Einrichtungen geben, die informiert werden müssen. 

Falls Sie oder Ihre Kinder über Ihren inhaftierten Partner versichert sind:

Setzen Sie sich umgehend mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung, damit Sie und Ihre Kinder nicht unversichert sind. Die Haftbescheinigung ist bei der Krankenkasse vorzulegen.

Informieren Sie sich schnellstmöglich, welche Leistungen für Sie in Frage kommen.

Nehmen Sie ggf. Beratung in Anspruch. Stellen Sie alle Anträge zeitnah. Das Datum des Antrags gilt als offizieller Beginn für jede Leistung.

  • Arbeitslosengeld oder Bürgergeld
  • Wohngeld
  • Unterhaltsvorschuss
  • Kinderzuschlag
  • Bildungs- und Teilhabe-Paket für Ihre Kinder

Genauere Informationen finden Sie hier.

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie von Ihrem Partner zunächst nichts hören.

Aus Datenschutzgründen dürfen weder die Polizei noch das Gefängnis Auskunft geben, wo Ihr Partner inhaftiert ist. Vertrauen Sie darauf, dass sich Ihr Partner bei Ihnen meldet, sobald es möglich ist.

Untersuchungshaft:

  • Ermittlungen gegen Ihren Partner werden noch durchgeführt
  • Für einen Besuch oder ein Telefonat benötigen Sie i.d.R. eine Besuchserlaubnis vom zuständigen Gericht oder der Staatsanwaltschaft

Strafhaft:

  • Rechtskräftiges Urteil oder Geldstrafe
  • Für einen Besuchstermin müssen Sie das jeweilige Gefängnis kontaktierten

Sie können Ihren Partner im Gefängnis nicht anrufen. In der Strafhaft ist es jedoch möglich, dass Ihr Partner Sie anrufen kann.

Sie dürfen Ihrem Partner jederzeit Briefe schreiben. Die Briefe werden im Gefängnis kontrolliert. Darum kommen die Briefe erst ein paar Tage später bei Ihrem Partner an. Briefmarken können sie den Briefen in kleinen Mengen beilegen, es empfiehlt sich dies im Brief zu vermerken. Fotos können Sie gerne beilegen.

Briefe müssen folgende Bedingungen erfüllen.

  • nur auf Deutsch
  • keinen Kleber
  • keine Sticker
  • keine Klebestreifen

Rufen Sie bei der jeweiligen JVA an und lassen Sie sich das Vorgehen bei Besuchen erklären. Die Telefonnummer finden Sie auf der Internetseite der entsprechenden JVA.

Das brauchen Sie für Ihren Besuch im Gefängnis:

  • Einen Termin
  • Einen gültigen Personal-Ausweis oder einen gültigen Reisepass
  • Ggf. eine Besuchserlaubnis (siehe Untersuchungshaft)

Geben Sie Sicherheit

Geben Sie Sicherheit und bleiben Sie, wenn möglich, bei Ihren alltäglichen Routinen.

Seien Sie ehrlich

Versuchen Sie ruhig und besonnen eine ehrliche, altersgerecht und behutsame Erklärung für Ihre Kinder zu finden.

Überlegen Sie sich: Was verstehen die Kinder schon? Welche Information ist zu schwierig?

Sie können sich Hilfe holen: Es gibt Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche in Ihrer Nähe. Wir helfen Ihnen bei der Suche nach der richtigen Beratungsstelle. Rufen Sie uns gerne an!

Vertrauen Sie sich jemanden aus dem Kindergarten/der Schule an. Erklären Sie, was passiert ist. Nur so kann Rücksicht auf Ihr Kind genommen werden.

JVA-Besuch mit Kindern

Versuchen Sie, zum ersten Besuch ohne Ihre Kinder zu gehen. Im ersten besuch können Sie sich mit den Abläufen vertraut machen und wichtige Angelegenheiten unter vier Augen klären. Das macht Sie sicher und diese Sicherheit können Sie an Ihre Kinder weitergeben.

Für den Besuch Ihrer Kinder brauchen Sie einen gültigen Kinderausweis oder die Geburtsurkunde.



Lesen Sie auch: Papa muss ins Gefängnis. Was jetzt?

Wir freuen uns, dass am 9. August 2023 eine neue Gesprächsgruppe für Väter mit Hafterfahrung startet.

Während der Haftzeit ist der Kontakt zu den eigenen Kindern stark eingeschränkt. Nach der Entlassung hat sich der Alltag in der Regel grundlegend verändert. Das ist für die Väter, Mütter und Kinder eine große Herausforderung, die Familie muss sich neu finden. Im Gesprächskreis „Väter mit Hafterfahrung“ haben ehemals inhaftierte Väter die Möglichkeit, sich auszutauschen, Probleme im Umgang mit Haft und Vaterschaft zu lösen und die Rolle als Vater nach der Haft weiter zu entwickeln. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange die Haft her ist.

Initiiert wurde die Gruppe von der Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bayern, durchgeführt wird sie vom Treffpunkt e.V.

Die Gesprächsgruppe findet jeden 2. Mittwoch im Monat von 18-20 Uhr im Treffpunkt e.V. und online statt. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: https://www.treffpunkt-nbg.de/bai/gruppen-angebote/

Wir wünschen der Gesprächsgruppe einen guten Start!


Mit großer Freude und Stolz vermeldet das Netzwerk KvI einen bedeutenden Fortschritt in der kontinuierlichen Arbeit zugunsten der Kinder von Inhaftierten: Die Jugend- und Familienminister*innen-Konferenz (JFMK) hat in ihrem Beschluss 2023 eine klare Positionierung zum Thema „Kinder von Inhaftierten“ verankert. Bereits in den Jahren 2018 und 2019 wurde dieses Thema auf den Tisch der Justizminister*innen-Konferenz gebracht. Sie forderte die Jugend- und Familienminister*innen-Konferenz dazu auf, sich dieser sensiblen Thematik anzunehmen. Dieser Meilenstein markiert einen bedeutsamen Schritt in der zunehmenden Vernetzung zwischen den Bereichen Justiz und Soziales.

Das Netzwerk KvI setzt sich bereits seit vielen Jahren mit großem Engagement für die Interessen und Bedürfnisse der Kinder von Inhaftierten ein. Initiiert wurde das Netzwerk 2018 von Hilde Kugler. Sie hat die Notwendigkeit einer Verzahnung von Justiz und Sozialem früh erkannt und mit ihrer Arbeit den Grundstein für den vorausgegangen JuMiKo- sowie den neuen JFMK-Beschluss gelegt. Dass nun auch die Jugend- Familienminister*innen-Konferenz sowie die Justizminister*innen-Konferenz dieses wichtige Thema aufgreifen, ist von großer Bedeutung und unterstreicht die wachsende Sensibilität für die Situation dieser Kinder.

Die Bundesinitiative des Netzwerk KvI begrüßt den gefassten Beschluss sehr und bekräftigt ihr Angebot, ihre umfassende Expertise auch bei der weiteren Entwicklung von Maßnahmen und Programmen einzubringen. Dabei strebt das Netzwerk KvI eine länder- und ressortübergreifende fachliche Unterstützung an, um den Bedarf der betroffenen Kinder noch sichtbarer zu machen. Durch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den zuständigen Akteuren sollen gezielt Angebote entwickelt und ausgebaut werden, die die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen dieser Kinder in den Fokus rücken.

Das Bundesprojekt konnte bereits umfassende Erfahrungen sammeln und wird diese gerne in die Beratung einfließen lassen, um die beiden Ressorts bei ihrer künftigen engen Zusammenarbeit aktiv zu unterstützen. Dafür informiert das Netzwerk KvI über die besondere Lebenssituation der Kinder, zeigt Lücken in der Angebotslandschaft auf und entwickelt neue Angebote.

Die Anerkennung des Themas „Kinder von Inhaftierten“ durch die Jugend- und Familienminister*innen-Konferenz verleiht der Arbeit des Netzwerks KvI zusätzliche Kraft und Unterstützung. Gemeinsam können nun weitere Schritte unternommen werden, um das Wohlergehen und die Entwicklung der Kinder von Inhaftierten nachhaltig zu fördern und ihnen eine bessere Perspektive für ihre Zukunft zu bieten. Es ist ein erfreuliches Signal, dass die Anliegen dieser oft vergessenen und verletzlichen Gruppe von Kindern vermehrt in den Fokus der politischen Agenda gerückt sind. Die Verantwortlichen tragen eine gesellschaftliche Verpflichtung, diese Kinder in ihrer schwierigen Lebenssituation bestmöglich zu unterstützen und ihnen eine Stimme zu verleihen. Nur so können ihre Bedürfnisse angemessen berücksichtigt werden und sie erhalten die Möglichkeit, ihre Potenziale zu entfalten.

Ihre Hilde Kugler

Leitung des Bundesprojekts KvI

Eine Inhaftierung wirkt sich nicht nur auf den Inhaftierten selbst, sondern auch auf seine Angehörigen und ganz besonders auf die Kinder aus. Neben vielen anderen Problemstellungen plagt die Inhaftierten oft die Sorge um ihre Familien. Zu diesen Sorgen zählen nicht nur die Aufrechterhaltung des Kontakts zum Partner bzw. zur Partnerin und den Kindern, sondern auch Erziehungsfragen oder die Regelung von Unterhalts- und Sorgerechtsfragen. Um über diese Sorgen und Nöte zu sprechen sowie offene Fragen zu beantworten, gibt es in Bayreuth nun eine Vätergruppe und eine Familienberatung. Die Angebote finden alle zwei Wochen statt und sind für alle interessierten Inhaftierten zugänglich.

Die Familienberatung und Vätergruppe ergänzen die bereits vorhandene Vater-Kind-Gruppe und das Ehe-Seminar in der JVA Bayreuth. Durch den Ausbau der familienorientierten Angebote werden die Empfehlungen der Justizministerkonferenz 2018 wieder ein Stück weiter umgesetzt. Grundlage aller Angebote sind die UN-Kinderrechte.

Vätergruppe

Die Vätergruppe ist ein geschützter Raum, in dem die Inhaftierten die Möglichkeit zum Austausch haben. Zudem soll durch die Gruppe der bestmögliche Kontakt zwischen den inhaftierten Vätern und ihren Kindern ermöglicht werden. Geleitet wird die Gruppe von einer Sozialpädagogin. Neben dem Austausch werden relevante Themen und Inhalte eingebracht. Viele inhaftierte Väter beschäftigt:

  • Wie sage ich meinem Kind, wo ich bin?
  • Wie komme ich in die Vater-Kind-Gruppe?
  • Wie gestalte ich einen Besuch für mein Kind gut?
  • Wie kann ich den Briefkontakt altersgerechter gestalten?

Ziel ist die Väter weiterhin als Elternteile wahrzunehmen und ihnen nicht aufgrund der Inhaftierung ihre Rechte und Pflichten abzusprechen. Denn nach Haftende werden sie weiterhin Vater sein.

Familienberatung

In der Familienberatung werden die Inhaftierten dabei unterstützt, ihre (soziale) Verantwortung gegenüber ihrer Familie wahrzunehmen sowie ihre persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten zu regeln. Folgende Themenbereiche werden in der Familienberatung besprochen:

  • Erziehungsfragen und Anliegen zur Kommunikation mit dem Kind
  • Unterstützung und Klärung in der Kommunikation mit dem Jugendamt oder anderen relevanten Behörden
  • Unterstützung bei der Klärung von persönlichen Angelegenheiten im Hinblick auf die Familie
  • Verbesserung der familiären Beziehungen zu Eltern, Partnerin und Kindern für ein stabiles Gefüge nach der Haftentlassung
  • Auseinandersetzung mit Zukunftsperspektiven

Bedeutung von Familie für Resozialisierung

Die Inhaftierung eines Elternteils verändert die Familie grundlegend: Unversehens ist ein Elternteil alleinerziehend, für alles allein verantwortlich und AnsprechpartnerIn für nahezu sämtliche Themen. Der inhaftierte Elternteil ist bei bedeutenden Familienereignissen wie Geburtstagen, Weihnachten oder der Einschulung plötzlich nicht mehr dabei.

Die Familie ist einer der wichtigsten Faktoren für eine gelingende Resozialisierung. So kommt den Familien von Strafgefangenen in der Diskussion um ein gutes Übergangsmanagement eine ganz besondere Rolle zu. Untersuchungen zeigen, wie wichtig positive soziale Bindungen für eine Neuorientierung sowie persönliche Entwicklung sind. Daher sind Angebote zur Aufrechterhaltung sozialer und familiärer Bindungen während der Haftzeit von großer Bedeutung.

Netzwerk Kinder von Inhaftierten

Die Vätergruppe sowie die Familienberatung wurde durch die Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bayern initiiert und wird durch den Treffpunkt e.V. durchgeführt. Die JVA Bayreuth gehört neben der JVA Nürnberg zu den zwei Modell-JVAen der Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten Bayern, die Anfang 2023 ihre Arbeit aufgenommen hat. Ziel des Modellprojekts ist die Sicherung der bestmöglichen Entwicklung von Kindern Inhaftierter.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.treffpunkt-nbg.de/bai/

Quelle: Straßenkreuzer, Ausgabe 07/2023

Ist die Mutter oder der Vater im Gefängnis, werden die Kinder mitbestraft. Die neue Landesfachstelle Bayern zur Unterstützung von Kindern mit inhaftierten Eltern setzt sich für diese Kinder ein. Was sich ändern müsste, damit der Strafvollzug von Eltern weniger traumatisierend für deren Kinder abläuft.

Juki ist ein schwarz-weiß gestreiftes Kuscheltier, das an ein Zebra erinnert und in dessen Bauch sich ein Kirschkernkissen verbirgt. Wenn der putzige Juki auf dem Bett in einer Zelle liegt oder für die obligatorischen Häftlingsbilder posiert, sieht das Gefängnis ein bisschen weniger schrecklich aus.

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